Egal ob Mozartplatz in Salzburg oder Expo 2012 in Südkorea – Architektur muss bewegen, meinen soma Architekten. Auch sich selbst oder zumindest die Gemüter.

(c) Fabry
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Völlig verblüfft waren anfangs die koreanischen Journalisten. Da kommen vier Österreicher und tun so, als hätten sie die Aufgabenstellung glatt verstanden. Dabei heißt das Thema der Expo 2012 in Yeosu doch „Living Ocean and Coast“. Und die bleibende Erinnerung daran, den „One Ocean“-Pavillon, bauen Architekten aus einem Land, das keine Küste, keine Seefahrer und nicht einmal Salzwasser kennt. Doch soma Architekten mögen Terrain, auf dem sie noch nie waren, auch wenn es Südkorea ist und das Meer. Oder der Mozartplatz in der Salzburger Altstadt etwa, wo einer ihrer Entwürfe gerade zu einem temporären Kunstpavillon aus Aluminiumstäben zusammengeschraubt wird.

Die Koreaner lieben das Poetische und die Metapher, wie Stefan Rutzinger und Kristina Schinegger von soma Architekten erzählen. Sie selbst, zumindest in der Architektur, hingegen nicht so sehr. „Der Pavillon für die Expo 2012 sollte nicht unbedingt bildhaft sein“, sagt Rutzinger. Denn das Thema Ozean sollte nicht zwangsläufig in naheliegende Naturanalogien münden. Natürlich dürfe jeder, der mag, maritime Symbolik aus dem Entwurf herauslesen. Aber Anleihen wollten sich die Architekten weniger in den starren Mustern der Natur nehmen als in ihren beweglichen. „So erwacht die Architektur zum Leben“, meint Rutzinger.

Klingt ja zunächst eher bedrohlich als verheißungsvoll. Und darüber hinaus nicht einmal besonders neu. Bislang waren meist Naturkatastrophen, Größenwahn oder Planungsfehler schuld, wenn sich Häuser bewegten, Teile von ihnen wackelten, drehten, wölbten oder bogen. Elastisch wie Kaugummi werden Häuser nicht so bald werden, aber soma Architekten versuchen erstmals, die Fassade geschickt wach zu kitzeln, und das nicht plump-robotisch wie gewohnt, sondern so sanft-organisch wie noch nie gesehen. Bewegen sollen sich auch nicht etwa Pixel oder Lichtpunkte, die die Gebäudehülle nur als Screen nutzen. „Wir wollten ein analog bewegtes Bild“, erklärt Schinegger. Dazu sollen 108 Lamellen, die bis zu 13 Meter hoch sind, verschiedene Muster auf die Fassade zeichnen. Lange sind die Architekten mit Forschern am Tisch gesessen, haben Papierstreifen zwischen die Finger genommen und vorsichtig gebogen. Um zu simulieren, wie man mit möglichst wenig Energieinput und Kraft möglichst viel effektvolle Bewegung erzielt. Ein Modell, das Architekten und Ingenieure so lange hochskaliert haben, bis sie schließlich vor einem großen Wort standen: „Weltneuheit“. Und „die Expo in Yeosu ist eine gute Plattform, diese der Welt zu präsentieren“, sagt Rutzinger.amp;odd Even amp;odd Even Even SetBikini White White amp;odd White SetBikini SetBikini b7gIfv6mYy

Zunächst galt es jedoch, die richtige Idee an die richtige Adresse zu tragen. Die Ingenieure vom Büro „Knippers Helbig“ in Stuttgart „nahmen die Herausforderung an und waren bereit, das Risiko mitzutragen“, erzählt Rutzinger. Sie untersuchten schon länger, „wie man bionische Bewegungsabläufe ingenieurmäßig übersetzt und für die Architektur nutzbar macht“. Anfang März durften soma Architekten ihren Entwurf in London präsentieren, bei der „Conference on adaptive architecture“. Dort waren „biomimetische“ Ansätze Gesprächs- und Vortragsthema: „Also auch Ansätze, die nicht über die Mechanik laufen, sondern über das Material selbst“, berichtet Schinegger. Der Weg der „kinetischen Architektur“ führt weg von Schanieren, Riemen, Zahnrädern, aufwendigen Mechanismen, die knirschend-quietschend Energie und Material verschleißen. Architektonische Elemente sollen sich so leicht bewegen, als wären sie Papierstreifchen zwischen den Fingern der Planer. „Die Lamellen in der Fassade sind an beiden Enden fest eingespannt“, erklärt Rutzinger, Ein kleiner energetischer Anstoß genügt, ausgeführt von Servomotoren an beiden Seiten, schon wölben sich die Lamellen. Und das Tolle: „Sie verformen sich wieder zurück.“ Nicht die ausgeklügelte Mechanik spielt die Hauptrolle bei der Performance, das Material ist der Star: glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK).

„Die kinetische Fassade ist aus dem Entwurf heraus entstanden“, erklärt Schinegger. Nicht aufgesetzt soll sie wirken wie eine Maske oder eine „Medienfassade“, sondern „integraler, selbstverständlicher Bestandteil der Architektur sein, die tiefer in die Struktur hineinreicht und dort verwurzelt ist“. Wichtig war den Architekten deshalb auch, die kinetische Fassade mit Funktionen zu füllen, so regelt sie etwa die Tageslichtsituation im Inneren und ist ebenso Bestandteil des Gebäude-Klimakonzepts. Doch die Aufgabe der Fassade sei trotzdem vor allem eine ästhetische, atmosphärische oder eine „charakterbildende“, wie Rutzinger sagt. „Viel zu oft überlassen die Architekten die Fassade anderen Leuten.“ Oder noch schlimmer: den banalen Botschaften des Kommerzes.

Den Südkoreanern scheinen zumindest die österreichischen Signale der Experimentierfreudigkeit zu gefallen, prompt folgte die nächste Einladung zu einem Wettbewerb, diesmal für den „Hyundai Business Pavillon“ – in die letzte Runde haben es soma Architekten schon mal geschafft.


Kontrollierter Zufall. Soma Architekten haben ein Faible für synästhetische Beziehungen. „White Noise“ heißt demnach der temporäre Kunstpavillon wenig überraschend, der auf dem Mozartplatz in Salzburg in diesen Tagen Gestalt annimmt. Ähnlich wie beim Mikadospiel verteilen sich Stäbe aus Aluminium, in mehreren Schichten, wie zufällig übereinander. „Der Zufall wird Gestaltungselement“, sagt Rutzinger. Doch nutzbar musste er natürlich sein: Deshalb wachte eine Software-Innovation des Ingenieurbüros „Bollinger Grohmann Ingenieure“ über die Statik der Konstruktion, die in den nächsten Jahren verschiedene Kulturevents, Ausstellungen und Aufführungen beherbergen soll. Und das mitten im Stadtraum Salzburgs.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2011)

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